Methadon in der Krebstherapie

Methadon in der Krebstherapie

Methadon ist eine Substanz, die seit Jahrzehnten in der Drogensubstitution eingesetzt wird. Sie hat keine euphorisierende Wirkung, also keine typische Drogenwirkung, hat aber starke schmerzstillende Effekte.

Methadon: Versuche im Labor

Dr. Claudia Friesen erforschte an der Universität Ulm die Wirkung von Opiaten, zu denen Methadon gehört, an Tumorzellen. Diese haben im Unterschied zu anderen Zellen wesentlich mehr Rezeptoren für Opiate. Als sie Methadon bei Leukämiezellen testet, macht sie eine erstaunliche Feststellung: Die Krebszellen sterben in kürzester Zeit. Aber auch bei anderen Krebsarten wirkt die Substanz auf verschiedene Weise:

  1. Die Apoptose, das natürliche Selbstmordprogramm der Krebszelle wird aktiviert.
  2. Chemotherapeutika gelangen leichter in die Tumorzelle.
  3. Die Krebszellen können schlechter Resistenzen gegen Chemotherapie entwickeln.

Methadon und Krebstherapie

So groß die Erfolge der modernen Onkologie bei vielen hämatologischen Erkrankungen wie Leukämien und bei früh diagnostizierten, soliden Tumoren sind, so gering ist die Bilanz bei den meisten metastasierten Tumoren. Oft wirkt die Chemotherapie anfangs und die Tumoren reduzieren sich, um dann wieder aggressiver und schneller wachsend zurückzukommen. Ein Chemotherapieschema wird dann durch ein nächstes ersetzt. Manchmal mit einem gewissen Ansprechen, manchmal nicht. Gleichzeitig nehmen die Schäden der Chemotherapie an den gesunden Zellen immer mehr zu. Es wäre daher wünschenswert, wenn man diese Therapien von Anfang effektiver gestalten könnte. Möglicherweise kann hier Methadon eine Rolle spielen. Dr. Friesen hat über 400 Fälle dokumentiert, die für den unvoreingenommenen Experten nur den Schluss zulassen, dass Methadon die Chemotherapie massiv verstärkt und den Therapieeffekt über einen längeren Zeitraum stabil halten kann.

Häufig gestellte Fragen zum Einsatz von Methadon in der Krebstherapie

1. Was für eine Substanz ist Methadon?

Methadon ist eine Substanz aus der Gruppe der Opioide. Das sind natürliche oder synthetische Stoffe, die an Opiatrezeptoren binden und dort z.B. eine schmerzhemmende Wirkung entfalten.

2. Wer kann mir Methadon verschreiben?

Dazu ist jeder Arzt berechtigt. Notwendig ist dazu ein so genanntes Betäubungsmittelrezept, das der Arzt dem Patienten persönlich aushändigt.

3. Kann auch ein Freund oder Verwandter das Rezept abholen?

Normalerweise sollte der Patient es persönlich in Empfang nehmen. Ausnahmsweise kann es aber eine andere Person, die mit einer entsprechenden Vollmacht ausgestattet ist, abholen. Das muss mit dem jeweiligen Arzt abgesprochen werden.

4. Es wird behauptet, Methadon könne lebensgefährliche Wirkungen haben. Stimmt das?

Wie jede Arznei kann auch Methadon bei falscher Anwendung gefährlich sein. Allerdings verwendet man Methadon seit Jahrzehnten zur Drogensubstitution in einer mehr als 10fach höheren Dosierung als zur Schmerztherapie und es sind keine lebensgefährlichen Wirkungen darunter beschrieben. Im Gegenteil, die Methadongabe gilt als sicher und die damit Substituierten können z.B. wieder arbeiten und ein weitgehend uneingeschränktes Leben führen.

5. Mit welchen Nebenwirkungen muss ich rechnen?

Anfangs können Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Schläfrigkeit auftreten. Eventuell muss man dann die Dosis reduzieren. Nach etwa 4 Wochen gewöhnt sich das Gehirn an das Methadon. Meistens besteht aber eine mehr oder weniger ausgeprägte Verstopfung, die z.B. mit Movicol ® behandelt werden muss.

6. Muss ich Schmerzen haben, damit mir der Arzt Methadon verschreibt?

Normalerweise wird der Arzt Methadon als Schmerzmittel verschreiben. Dafür ist es zugelassen. In Ausnahmefällen kann auch ein so genannter individueller Heilversuch durchgeführt werden, auch wenn keine Schmerzen vorliegen. Dies liegt in der Verantwortung des jeweiligen Arztes.

7. Welches ist das richtige Methadon zur Krebsbehandlung?

Man verwendet das Methadon-Hydrochlorid (D,L-Methadon). Dieses muss von der jeweiligen Apotheke für den Patienten als Tropflösung hergestellt werden. Fertigpräparate (z.B. in Tablettenform) sind vermutlich nicht oder schlechter wirksam.

8. Wirkt Methadon auch ohne Chemotherapie?

Im Laborversuch zeigt Methadon auch ohne andere Substanzen eine apoptoseauslösende Wirkung auf Tumorzellen, d.h. das natürliche Selbstmordprogramm wird aktiviert. Allerdings ist die Wirkung von Methadon als Monotherapie bei metastasierten Prozessen vermutlich zu schwach. Im Laborversuch wirkt Methadon am besten in Kombination mit einer zytotoxischen Chemotherapie. Sie verstärkt die Aufnahme dieser Substanzen in die Tumorzellen und verhindert Resistenzentwicklungen.

9. Welche Chemotherapeutika werden durch Methadon verstärkt?

Im Labor zeigt sich eine Wirksteigerung vor allem bei: Taxanen (z.B. Paclitaxel), Platinverbindungen, Antrazykline (z.B. Doxorubicin, Epirubicin), Topoisomerasehemmer (Irinotecan, Etoposid), Pyrimidinanaloga (z.B. Gemcitabine), Temozolomid, Eribulin, Methotrexat.

10. Bei welchen Krebsarten kann Methadon eingesetzt werden?

Bei Leukämien und allen metastasierten Tumoren, die mit zytotoxischen Chemotherapien behandelt werden (s.o.).

11. Mit welchen Arzneimitteln darf Methadon nicht kombiniert werden?

Methadon darf laut Dr. Friesen nicht mit Opiaten, wie z.B. Morphin, Tilidin, Fentanyl, Tramadol kombiniert werden. Auch Cannabispräparate führen vermutlich zu einer Wirkabschwächung.

12. Darf ich meine Schmerzmittel trotz Methadon weiternehmen?

So genannte Nicht-steroidale Antiphlogistika, wie Aspirin, Paracetamol, Diclofenac, Novalgin, Celecoxib etc. dürfen weiter eingenommen werden, wenn nötig.

13. Wie wird Methadon am besten eingenommen?

Die Tropfen werden morgens und abends unverdünnt eingenommen und am besten mit der Zunge kurz im Mund verteilt. Das reduziert die Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt.

14. Wie lange soll Methadon eingenommen werden?

Methadon wird über die Dauer einer chemotherapeutischen Krebsbehandlung eingenommen. Es sind Fälle dokumentiert, bei denen es nach dem Absetzen zu Rückfällen gekommen ist.

15. Gibt es Studien, die die Einnahme von Methadon als sinnvolle Ergänzung zur Chemotherapie belegen?

Es gibt eine kleine Glioblastom-Studie, die in erster Linie Sicherheit und Verträglichkeit untersucht (1). Dort zeigt sich eine Verlängerung des progressionsfreien Intervalls unter Methadon, d.h. wie lange der Patient keinen Rückfall zeigt. 2017 veröffentlichte die Charité in Berlin eine weitere Studie. Dort wurde aber nur die Verträglichkeit einer Methadontherapie bei Hirntumorpatienten untersucht. Methadon zeigte dabei eine gute Verträglichkeit in Kombination mit Chemotherapie und Bestrahlung.

16. Wann kann man mit größeren Studien zum Nutzen von Methadon rechnen?

Vermutlich nie! Da es sich um eine nicht-patentierbare Substanz handelt, gibt es keine Geldgeber, die eine größere Studie finanzieren werden. Deswegen ist auch nicht mit einem Eingang der Substanz in die onkologischen Leitlinien zu rechnen. Studien wären aber wichtig und wünschenswert.

Für den Inhalt verantwortlicher Autor:
Dr. Reinhard Probst

Literaturliste
  1. http://ar.iiarjournals.org/content/37/3/1227.full
Weiterführende Information für Therapeuten

Fachinformationen zum Einsatz von Methadon